



Taschen und Accessoires von Conserve, Delhi, Indien
„Diese unglaubliche Masse von Plastiktüten ist eines der größten Umweltprobleme, das wir in Delhi haben“, erläutert Anita Ahuja, Leiterin der Umweltschutzorganisation Conserve.
Daraus müsste sich doch ein Produkt herstellen lassen, überlegte sie. Gesagt, getan. Ihr Mann Shalabh entwickelte als Ingenieur ein Verfahren, bei dem aus den gebrauchten Plastiktüten unter Hitze und Druck ein völlig neuartiges Material wird. Conserve nennt es sehr passend
„Handmade Receycled Plastic“ (kurz HRP) und daraus entstehen die Träume aller fairen Modebewussten.
Ein Bogen HRP besteht aus etwa 60 Polyethylen-Tüten und ist in Farbe und Muster einzigartig. Damit ist jede daraus hergestellte Tasche und jedes Accessoire in Unikat.
Das direkte Receycling von Plastikabfällen hat große Vorteile: Energie und Wasser werden eingespart. Das neu gepresste Material muss nicht mehr eingefärbt werden, denn die Farben und Muster entstehen beim HRP allein durch die kreative Kombination der Plastiktüten.
Conserve bezieht die gereinigten Plastiktüten zurzeit von Menschen, die in den Slums von Delhi leben. Durch den fairen Handel erhalten sie einen höheren Preis für das Plastikmaterial.
Von Conserve wurde zudem eine Schule gebaut, damit die Kinder aus den Slums dort lernen können, anstatt auf den Müllhalden mitzuarbeiten.
Martina Breuer Dez. 08
Waliki - wurde im Mai 1992 als Sozialunternehmen gegründet,
in den letzten 15 Jahren ist das Unternehmen stetig gewachsen und beschäftigt zahlreiche gut ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerker in vielen Stadtteilen von La Paz/Bolivien.
Sichere Arbeitsplätze und gute Sozialversicherungen motivieren die Mitarbeiter und sorgen für ein Unternehmen, das sich den Ansprüchen des Marktes jederzeit stellen kann.
Auf Maschinen, wie Flachbettsticker, Overlock-Nähmaschinen oder Reißverschlussnäher wird bewusst verzichtet, um somit das Kunst-Handwerk zu erhalten, auch wenn damit auf zeitsparende Prozesse verzichtet wird.
Neue edle Mischungen von Naturfasern, viele Handstickereien, eine ganz neue Linie der besonders kulturell geprägten „Andean Accents“ sorgen für eine hochwertige und exclusive Kollektion.
Waliki hat es sich zur Aufgabe gemacht, die textile Tradition der Anden weiter zu entwickeln und hochwertige Mode und gleichzeitig eine soziale Firmenstruktur aufzubauen und zu erhalten.
Alpaka
In der Welt der Edeltextilien ist das seidige Alpakahaar noch seltener als Kaschmir. Alpakas gehören zu den Kameltieren und leben in den südamerikanischen Anden auf einer Höhe von mehr als 4000 Metern. Dort sind sie Temperaturschwankungen von mehr als 30° Celsius ausgesetzt - brennende Sonne am Tag und bittere Kälte in der Nacht. Diese unwirtliche klimatische Umgebung sorgt für die einzigartigen Eigenschaften der Haare, die per Lebendschur oder Auskämmen gewonnen werden.
Das Alpakahaar ist wärmer und leichter als Wolle, aber trotzdem kräftiger und widerstandsfähiger. Als Hohlfaser ist es Temperatur ausgleichend und durch das Fehlen von Schuppen an der Oberfläche ist es stark Wasser abweisend.
Die Analysen der Belastungsstoffe im Garn fallen grundsätzlich negativ aus.
Das noch feinere Babyalpaka stammt nicht von jungen Fohlen sondern ist die erste Schur eines ausgewachsenen Alpakas.
Die Handarbeit
Merkmale handwerklicher Arbeit sind Individualität, höchste Verarbeitungsqualität, kleine Serien und eine Gestaltungsqualität, die in jeden Stück sichtbar wird.
Der handwerkliche Arbeitsprozess beginnt mit der Auswahl der Materialien.
Das Stricken geschieht auf Handstrickapparaten, wobei ein Pulloverteil nach dem anderen gearbeitet wird. Dieses Stricken, bei dem die verschiedenen Größen durch echte Zugabe oder Abnahme von Maschen geschaffen werden, und bei dem an keiner Stelle geschnitten wird, heißt Formstrick oder „fully fashioned“. Ein Zerschneiden wäre auch für die Stricker unvorstellbar, da es bedeuten würde, die „Seele des Gestricks“ zu zerstören.
Die einzelnen Teile werden maschengerecht zusammen gekettelt. Kragen, Bündchen und Knopfleisten werden unsichtbar von Hand vernäht und zum Schluss wird das fertige Kleidungsstück in Handarbeit „gesäubert“. Lose Fäden werden vernäht, Maschen geglättet und Knöpfe oder Reißverschlüsse eingenäht.
So schaffen die Handwerker eine Qualität, die mit Maschinen nicht zu erreichen ist.
Der gesamte Herstellungsprozess eines Pullovers dauert je nach Muster zwei bis drei Tage und es sind viele Hände an diesem Prozess beteiligt.
Muster und Farben
Die Muster und Farben entstammen oft antiken Vorlagen.
In einer Kombination aus andinen Symbolen mit europäischen Einflüssen entwickelten die Weber des 17. Jahrhunderts eine unnachahmliche Mischung eigentlich heterogener Stile. So sicherten sie das kulturelle Überleben zahlreicher antiker Textilmuster der Anden.








Gautam Handicrafts
Katmandu, Nepal
Nepal ist eines der ärmsten Länder der Erde. Fern ab von den Interessen der Mächtigen dieser Welt gelangen nur selten Nachrichten aus Nepal in Tagesschau und Co.
Hari Gautam ist ein junger Nepalese, der in Katmandu eine kleine Schmuckwerkstatt betreibt.
Er beschäftigt je nach Auftragslage vier bis fünf Mitarbeiter.
Die Edelsteine bezieht er hauptsächlich aus Tibet, das Silber kauft er in Katmandu.
Vor allem der Silberpreis ist in den letzten zwei Jahren stark gestiegen.
Reichen die Aufträge für die Werkstatt nicht aus, arbeitet er für das Münchener Reiseunternehmen Hauser als Fremdenführer in der Everest - Region. Er schreibt und spricht ein gut verständliches Deutsch.
Während des Monsuns von Juni bis August sind keine Touristen da. Auch die immer wieder auftretenden politischen Unruhen halten Touristen fern. Dann wird es für Hari und seine Mitarbeiter schwer, Arbeit zu finden.
Trotzdem hat er es sich zum Ziel gesetzt, ein neu erbautes Kinderheim in Katmandu zu unterstützen.
Das Kinderheim ist für Waisenkinder und sehr arme Kinder in Katmandu und Umgebung vorgesehen.
Die ersten sieben Kinder sind im Frühjahr 2007 eingezogen. Sie werden von einer Hausmutter betreut und sobald sie alt genug sind, besuchen sie die Schule. Dies ist eine große Chance, die nicht alle Kinder in Nepal haben.
Außerdem ist geplant, dass ein Teil der Heimkinder von Hari in seiner Werkstatt ausgebildet werden.
Da der Absatz auf dem heimischen Markt bei weitem nicht ausreicht, ist Hari froh über Aufträge aus Deutschland.
Vom Fair-Handelszentrum Südwest in Saarbrücken erhält er für seinen Schmuck die Preise, die er haben möchte. Dies hilft zwar weiter, aber das Auftragsvolumen reicht nicht, um das ganze Jahr über mehrere Mitarbeiter zu beschäftigen.
Eine große Auswahl an Halsketten, Armbänder, Fingerringen und Ohrringen findet Sie in unserer Schmuckabteilung.
Martina Breuer, August 2008