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Palmöl - Es geht auch nachhaltig

 

Brandrodung, Landraub, Menschenrechtsverletzungen und die massive Zerstörung des Lebensraums bedrohter Tierarten – das sind nur einige Schlagwörter, die in Zusammenhang mit Palmöl von Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen diskutiert werden. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, die Problematik näher zu beleuchten und aufzuzeigen, dass es auch für Palmöl nachhaltige Produktionsweisen gibt.

 

Palmöl – auch Palmfett genannt – wird aus der Ölpalme gewonnen. Man kann zwischen Palmöl und Palmkernöl unterscheiden. Ersteres wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte extrahiert, Letzteres entsteht aus ihren Kernen.

Ein großer Teil der weltweiten Produktion an Palm- oder Palmkernöl wird für Kosmetikartikel verwendet. Nach Angaben des United States Department of Agriculture wurden 2011 mehr als ein Viertel (27 Prozent) für die Kosmetikherstellung verwendet. Nur die Nahrungsmittelindustrie benötigt mit zwei Drittel der weltweiten Produktion (68 Prozent) noch deutlich mehr. Für die Herstellung von Kosmetika spielt vor allem das Palmkernöl eine wichtige Rolle. Das Öl aus den Kernen liefert Glycerin und Fettsäuren, die zu Tensiden und Emulgatoren weiterverarbeitet werden. Diese Hilfsstoffe sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass unsere Seife sanft die Haut reinigt, unser Shampoo ordentlich schäumt oder die Creme sich gut verreiben lässt und die Haut geschmeidig macht. Aus den allermeisten Kosmetikartikeln, auch im Bereich der Naturkosmetik, ist Palmöl aktuell nicht wegzudenken.

 

Palmöl ist in aller Munde

Diese Aussage trifft nicht nur auf die öffentliche Diskussion zu, die sich in letzter Zeit immer stärker mit den Auswirkungen der Palmölproduktion beschäftigt. Im Lebensmittelbereich gibt es kaum ein industriell erzeugtes Produkt, das ohne das Öl auskommt. Das billige Pflanzenöl steckt nach Angaben des WWF in jedem zweiten Supermarktprodukt. So findet man es beispielsweise in Margarine, in vielen Backwaren, in Fertigprodukten, in der Tiefkühlpizza, in Chips, in Schokoladen, aber auch in Wasch- und Putzmittel, in Kerzen und in Biodiesel. Für den Verbraucher ist nicht immer erkenntlich,  ob ein Produkt Palmöl enthält – oft wird es von den Herstellern als „Pflanzliches Öl“ oder „Pflanzliches Fett“ deklariert, um so keine Assoziationen zu brennenden Regenwäldern beim Konsumenten zu wecken. Wer auf Nummer sicher gehen will, meidet Produkte, deren Zutatenliste diese Angabe enthält. Werden andere, höherwertige pflanzliche Fette verwendet, werden diese in der Regel namentlich genannt.

Im Kosmetikbereich ist es für den Verbraucher noch schwieriger zu erkennen, ob Palmöl enthalten ist. Viele der angegebenen Inhaltsstoffe stammen aus Palmöl, verstecken sich aber in Form von Tensiden und Emulgatoren hinter komplizierten Namen wie beispielsweise der Co-Emulgator „Sodium Lauroyl Lactylate“.

Aber warum ist das so? Warum ist Palmöl DAS pflanzliche Fett in der Lebensmittelproduktion und auch im Kosmetikbereich? Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Zum einen ist Palmöl das billigste Pflanzenöl auf dem Markt. Es ist um ein Vielfaches ertragreicher als andere Pflanzenöle und kann ganzjährig geerntet werden. Zum anderen hat das Palmöl besondere Eigenschaften, die sowohl in der Lebensmittelherstellung als auch in der Kosmetik nur schwer zu ersetzen sind. Eine hohe Hitze- und Oxidationsstabilität gehört ebenso dazu wie die Tatsache, dass es Produkten eine längere Haltbarkeit verleiht, als sie durch den Zusatz von Rapsöl oder Butter erzielt wird. Palmfett gewährleistet die Streichfähigkeit von Produkten und ist neben Kokosfett das einzige pflanzliche Fett, das bei Zimmertemperatur fest ist. Ein weiterer Vorteil gegenüber anderen Ölen liegt in der Geschmacksneutralität.

 

 

Brennende Wälder

Der Anbau von Palmfett hat erhebliche ökologische und soziale Folgen. Die Ölpalme gedeiht nur in tropischen Gebieten und steht damit in direkter Konkurrenz zum Regenwald. So werden beim Anlegen neuer Palmölplantagen Regenwälder gerodet, um Platz für neue Anbauflächen zu schaffen. Indonesien und Malaysia sind weltweit die größten Palmölproduzenten, die Zentren der Palmölproduktion liegen auf Sumatra und Borneo. Doch nicht nur hier, sondern auch in anderen tropischen Ländern wird für die Plantagen Wald gerodet und damit die bisherigen Nutzer gewaltsam vertrieben. Menschen, die in den Regenwaldgebieten leben, werden umgesiedelt oder enden als unterbezahlte Tagelöhner auf den Plantagen. Auch zahlreichen, häufig ohnehin bedrohten Tierarten wird der Lebensraum genommen. Durch den Anbau von Ölpalmen in Monokulturen haben Tiere keine Überlebensmöglichkeit in den Plantagen, die Biodiversität geht verloren und der Boden wird durch zu starke Beanspruchung unfruchtbar gemacht. Die Zerstörung des Regenwaldes und die Trockenlegung von Torfmooren setzen große Mengen von Kohlendioxid frei und treibt die Klimaveränderung voran. Die negativen Auswirkungen der Palmölproduktion sind verheerend.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Palmölproduktion weltweit mehr als verdoppelt, und es ist auch weiterhin mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen. Neben der Verwendung in der Kosmetikherstellung und der Lebensmittelproduktion wird in den bevölkerungsreichen Staaten Asiens – wie Indien und China – Palmöl zum Kochen benutzt. Auch bei der Beimischung zu Biokraftstoffen wird das preisgünstige Palmöl immer wichtiger.

 

 

Nachhaltiges Palmöl?

Um den negativen Folgen des Palmölanbaus zu begegnen, wurde 2004 der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO) vom Umweltverband WWF gegründet. Das Gremium versucht, als zentrale Organisation nachhaltige Anbaumethoden für Palmöl zu fördern und so die Umweltschädigung zu begrenzen. Die fast 700 Mitglieder setzen sich aus Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette des Palmöls zusammen. Aber auch Nichtregierungsorganisationen aus dem Umwelt- oder Sozialbereich sowie Banken und Investoren gehören dazu.

Der Runde Tisch hat Mindeststandards für den Anbau von Palmöl ausgearbeitet und so einen Anfang für eine nachhaltigere Entwicklung im Bereich Palmöl gemacht. Seit Juni 2011 gibt es für Lebensmittelhersteller und den Handel ein Siegel, das für die Kennzeichnung von RSPO-zertifiziertem Palmöl genutzt werden kann. Das Siegel garantiert laut Eigenwerbung, dass für dieses Palmöl keine tropischen Regenwälder gerodet oder Torfmoore trockengelegt wurden.

Die Kritik am RSPO ist jedoch groß und es wird ihm vorgeworfen, den gesetzten Zielen nicht ansatzweise nahe zu kommen. So wendeten sich 2011 zahlreiche weltweit agierende Umweltverbände wie Greenpeace in einer gemeinsamen Erklärung gegen den RSPO und warfen ihm vor, der Palmölindustrie zu einem ökologischen Deckmantel zu verhelfen. Neben der Kritik der Organisationen, dass die Nachhaltigkeitsziele des RSPO nicht erreicht würden, werden unter anderem die Auflagen als zu schwach angesehen und es wird bemängelt, dass es bei Verstößen keine Sanktionen gebe.

Außer dem sogenannten nachhaltigen Palmöl gibt es auch Bio-Palmöl auf dem Markt, was aber bei einem Anteil von 0,1 Prozent der Gesamtproduktion nur eine geringe Bedeutung hat. Bei Bio-Palmöl wird, im Gegensatz zum nachhaltigen Palmöl, auf die Hilfe von Kunstdünger und Pestiziden verzichtet, allerdings wird auch dieses für gewöhnlich auf Plantagen angebaut – jedoch in der Regel auf Land, das bereits vorher landwirtschaftlich genutzt wurde.

 

 

Konsequent nachhaltig

In Ghana, dem Ursprungsland der Ölpalme, wird das Palmöl in Bio und Fair Trade-Qualität von Kleinbauern auf traditionelle Weise angebaut. Die Palmfrüchte für das Öl werden von rund 600 Bauern in der östlichen Region Ghanas auf kleinen Landflächen von rund zwei Hektar Land bewirtschaftet. Anders als in Indonesien oder Malaysia wurde hier kein Regenwald gerodet, und es wurden auch keine Menschen vertrieben. Den Bauern vor Ort verhilft der Anbau der Ölpalmen zu einem sicheren Einkommen und besseren Lebensbedingungen. Anders als im konventionellen Anbau erfolgt die Anpflanzung auch nicht in Monokulturen, sondern die Ölpalmen gedeihen inmitten von Kakaopflanzen und Zitronenbäumen. Bei den Kleinbauern hat die Ölpalme eine lange Tradition und sie nutzen das Palmöl selbst zum Kochen. Die Bauern haben sich in der Produzentenorganisation SERENDIPALM zusammengeschlossen, die mit Hilfe des amerikanischen Bio-Seifenherstellers Dr. Bronner’s 2007 ins Leben gerufen wurde, der als Pionier in der Herstellung von fairem Palmöl gilt.

Die Bauern erhalten faire Preise für ihre Früchte und werden bei der Weiterbildung unterstützt. Indem sie zu Themen des ökologischen Landbaus geschult werden, soll die Fruchtbarkeit der Böden und die Produktivität erhöht werden. So werden bei SERENDIPALM keine chemischen Düngemittel eingesetzt und die Fruchtbarkeit des Bodens wird auf natürlichem Weg wieder hergestellt – durch organischen Dünger, Kompost und Mulchen. Auch beim Transport der Palmfrüchte zur eigenen  Ölmühle in der nahegelegenen Stadt Asuom hilft SERENDIPALM, denn die meisten Bauern verfügen nicht über eigene Transportmittel. In der Ölmühle sind über 200 Mitarbeiter – vorwiegend Frauen – angestellt. Sie erhalten eine angemessene Vergütung, die 25 bis 30 Prozent über dem lokalen Niveau liegt, sowie gute und stabile Arbeitsbedingungen. So äußert sich auch Patience Bello, eine Mitarbeiterin von SERENDIPALM, die für das Säubern der Ölfrüchte zuständig ist: „Bevor ich herkam, war es schwierig, die Schule für meine Kinder zu bezahlen. Jetzt sind sie beide auf der weiterführenden Schule. Ich kann besser für mich sorgen, weil wir viel produzieren und ich ein regelmäßiges Einkommen und einen Bonus erhalte. Ich bin jetzt viel glücklicher.“ Für Patience Bello und die anderen Mitarbeiter gibt es geregelte Arbeitszeiten, Bonuszahlungen, eine warme Mahlzeit am Tag sowie eine Kranken- und Sozialversicherung.

In einem demokratisch gewählten Fair-Handels-Komitee bestimmen die Kleinbauern, wofür die Fair-Handels-Prämie ausgegeben wird. Bisher wurde die Prämie für Entwicklungsprojekte der Gemeinde genutzt – so wurden Brunnen gebohrt, Tanks installiert oder medizinische Geräte und Schulmaterialien finanziert. Durch die Prämie hat die Gemeinde die Möglichkeit, sich selbstständig zu entwickeln. Bei SERENDIPALM ist der gesamte Anbau und Verarbeitungsprozess vom Institut für Marktökologie (IMO), einem international tätigen Anbieter von Zertifizierungen und Kontrollen ökologischer Produkte, Bio und Fair Trade zertifiziert.

 

 

Palmöl im Fairen Handel

Das Palmfett von SERENDIPALM wird auch von der GEPA seit Herbst 2012 in Schokoriegeln und Cookies verwendet. Aktuell ist die GEPA dabei, ihre Produktion komplett auf fair gehandeltes Bio-Palmöl umzustellen und passt die Rezepturen der Produkte an. Ein Verzicht auf palmfett wäre für die deutsche Fair-Handels-Organisation nicht sinnvoll, denn dessen Eigenschaften sind nicht leicht durch andere Öle zu ersetzten. Auch der GEPA gingen die Standards des RSPO nicht weit genug, so dass sie sich auf die Suche nach einem Partner für fair gehandeltes Bio-Palmöl machte. Andere Importorganisationen aus dem Fairen Handel setzten sich ebenfalls mit dem Thema auseinander – so verzichtet die Kosmetikserie bionatyr von El Puente komplett auf Palmöl. Stattdessen werden andere hochwertigere Öle wie Paranuss, Sesam- oder Arganöl genutzt.

Was können wir als Endverbraucher an unserem täglichen Konsum ändern? Sinnvoll ist es, die Zutatenliste auf Supermarktprodukten genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch der Verzicht auf weiterverarbeitete Produkte und Fertiggerichte hilft. Im Fairen Handel gibt es viele wichtige Schritte in die richtige Richtung – nicht nur weg vom Rohstoff Palmöl, sondern auch hin zu einer nachhaltigeren Produktionsweise in Einklang mit Mensch und Natur.

 

 

Quelle: Welt & Laden – Das Weltladenmagazin – Winter 2013

Bericht von Stephanie Jänsch

Fotos von GEPA

Letzte Änderung:  25.02.2015 13:46